KI fragen statt suchen: der Unterschied
Wer eine Suchmaschine benutzt, sieht neben jeder Angabe die Quelle und kann sie aufrufen. Wer eine KI fragen möchte, bekommt eine fertige Antwort, in der die Auswahl der Quellen bereits getroffen ist. Die Nachvollziehbarkeit verschiebt sich damit vom Ergebnis in die Nachfrage.
Wie belastbar solche Antworten sind, hat eine von der BBC geleitete und von der Europäischen Rundfunkunion koordinierte Untersuchung gemessen: 22 öffentlich-rechtliche Medienorganisationen aus 18 Ländern prüften in 14 Sprachen über 3.000 Antworten, beteiligt waren unter anderem ARD, ZDF und NPR. Der Bericht News Integrity in AI Assistants vom Oktober 2025 weist aus, dass 45 Prozent der Antworten mindestens ein erhebliches Problem enthielten. Bei 31 Prozent gab es gravierende Probleme bei den Quellenangaben, also fehlende, irreführende oder falsche Zuschreibungen. Bei 20 Prozent fanden die Prüfenden deutliche Ungenauigkeiten, Halluzinationen oder veraltete Informationen.
Das Zutrauen läuft in die andere Richtung. Laut einer BBC-Begleiterhebung vertraut gut ein Drittel der Erwachsenen in Großbritannien KI-Zusammenfassungen vollständig, bei den unter 35-Jährigen fast die Hälfte. Es gibt Fragen, bei denen künstliche Intelligenz gute Ergebnisse liefert, und Fragen, bei denen Sie nachprüfen sollten.
Bei diesen Fragen liefert eine KI belastbare Ergebnisse
Eine Faustregel hilft beim Sortieren: Bezieht sich die Antwort auf Material, das Sie selbst mitgeliefert haben, lässt sie sich leichter überprüfen. Bitten Sie um eine Zusammenfassung Ihres eigenen Berichts, liegt der Text im Chat, und Sie sehen sofort, ob die Zusammenfassung trägt. Fragen Sie nach dem Quartalsumsatz eines fremden Unternehmens, antwortet das Modell ohne Websuche allein aus trainiertem Wissen.
Diese Aufgaben liegen im ersten Bereich:
- Eigene Texte kürzen, umformulieren oder in eine andere Tonlage bringen
- Lange Dokumente zusammenfassen und die Kernaussagen herausziehen
- Aus Stichpunkten einen fertigen Text entwickeln
- Übersetzen, Korrektur lesen, Formulierungen glätten
- Code erklären, kommentieren und auf Fehler durchsehen
- Ideen sammeln, Gliederungen bauen, Gegenargumente suchen
- Komplizierte Sachverhalte auf ein einfacheres Niveau bringen
Das Ergebnis hängt an der Anweisung: Rolle, Ziel, Zielgruppe und Format gehören in die Frage, nicht in die dritte Nachbesserung. Die Technik dahinter beschreibt unser Beitrag zum Prompt Engineering, und wie daraus ganze Entwürfe entstehen, zeigt KI-Text schreiben.
Bei diesen Fragen prüfen Sie nach
Die zweite Gruppe erkennen Sie daran, dass die Antwort nicht aus Ihrem Material stammt. Trainiertes Wissen hat einen Stichtag und Lücken, und Fehler daraus klingen so überzeugend wie richtige Antworten.
Behandeln Sie diese Themen als Prüffälle:
- Aktuelle Ereignisse, Preise, Termine und Personen in Ämtern
- Zahlen, Statistiken und Studienergebnisse
- Rechtsfragen, Fristen und Vertragsklauseln
- Medizinische Auskünfte
- Zitate, Seitenzahlen und Quellenangaben
- Alles, wofür Sie gegenüber Dritten haften
STRATO benennt das in der Hilfe zu STRATO GPT selbst: Antworten können fehlerhaft sein, rechtliche und finanzielle Angaben prüfen Sie zusätzlich nach.
In vier Schritten zur geprüften Antwort
Vier Schritte reichen für die meisten Fälle, und die meisten davon erledigen Sie direkt im Chat.
- Quelle verlangen. Fragen Sie nach, woher die Angabe stammt, und rufen Sie den genannten Link auf. Kommt keine Quelle oder führt der Link ins Leere, behandeln Sie die Angabe als unbestätigt.
- Dieselbe Frage anders stellen. Formulieren Sie neu, am besten in einem neuen Chat. Weichen die Antworten inhaltlich voneinander ab, holen Sie eine zusätzliche Quelle dazu. Abweichungen entstehen allerdings auch bei korrekten Angaben, weil jede Antwort neu erzeugt wird.
- Nach den Belegen fragen. Die Frage "Welche Angaben lassen sich mit dem vorliegenden Material nicht belegen?" bringt die offenen Punkte auf den Tisch.
- Websuche einschalten. Alles, was nach dem Trainingsstichtag liegt, braucht aktuelle Belege aus dem Netz.
Fragen an eine künstliche Intelligenz: was vorher zu klären ist
Wer beruflich Fragen an eine künstliche Intelligenz stellen will, klärt zwei Punkte vor der ersten Eingabe. Der erste betrifft die Rechtsgrundlage: Ohne Konto und ohne abgeschlossenen Vertrag zur Auftragsverarbeitung fehlt die Grundlage, personenbezogene Daten Dritter einzugeben. Viele Angebote werben gerade damit, dass eine Anmeldung nicht nötig ist.
Der zweite Punkt betrifft Verarbeitungsort und Trainingsnutzung. Beides steht in den Nutzungsbedingungen des jeweiligen Dienstes, und bei kostenlosen Zugängen unterscheiden sich diese Bedingungen häufig von denen der Geschäftstarife. Welche Angaben Sie sich schriftlich geben lassen sollten, listet der Beitrag Chatbot Deutsch auf. Wie die DSGVO auf KI-Werkzeuge angewendet wird, ordnet der Beitrag zum KI-Datenschutz ein.
Fragen an die eigenen Unterlagen
Ein Vertrag, ein Angebot, ein Protokoll: Sobald das Dokument im Chat liegt, arbeitet das Modell auf Ihrem Material statt auf trainiertem Wissen. Prüfen Sie die Zuordnung trotzdem stichprobenartig, denn auch bei der Dokumentenanalyse entstehen Fehler.
So sehen solche Fragen in der Praxis aus:
- "Welche Kündigungsfristen stehen in diesem Vertrag, und ab wann laufen sie?"
- "Fasse dieses Protokoll in fünf Aufgaben mit Zuständigkeit und Termin zusammen."
- "Welche Angaben fehlen in diesem Angebot im Vergleich zu unserer Vorlage?"
Für einmalige Fragen genügt der Upload in den laufenden Chat. Bei Unterlagen, die Sie immer wieder brauchen, lohnt eine Wissensdatenbank. Dort liegen Preislisten, Abläufe oder Kataloge dauerhaft bereit und lassen sich in beliebigen Chats aufrufen.